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Stadtpflanzen in Rosenheim

Nachhaltig Gärtnern in der Stadt kann jeder. Gemüsekresse auf der Fensterbank oder Erdbeeren in der Hängetasche – die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt.

Anja Frohwitter, Geschäftsführerin Stadtpflanzen

Die Stadtpflanzen wollen das Thema Anbau von essbaren Pflanzen wieder zurück in die (städtische) Gesellschaft tragen. Nicht nur Kinder finden Gefallen an dem Wunder, das im Grau der Stadt entstehen kann. Wer nur einmal beobachtet oder gar dabei geholfen hat, wie aus einem einzigen winzigen Samen ein prächtiger Salatkopf wächst, wird mit Lebensmitteln anders umgehen lernen.

Grow-Grow Nut und Stadtpflanzen arbeiten bereits seit Mitte 2018 zusammen

Ganz natürlich wächst die Wertschätzung unserer Nahrung, die Vielfalt der Natur offenbart sich, und abseits der Supermarktsorten können wir neue geschmackliche Welten erleben und auch auf Reisen gehen. Wer schafft schon 200 Tomatensorten auf einmal? Der Umgang mit dem eigenen Grün trägt zu Bildung und nicht zuletzt zur Vielfalt im Speiseplan bei.

Übrigens: auch der Geldbeutel wird geschont. Was in der eigenen Krume wächst, muss nicht im Supermarkt gekauft werden. Und für alle anderen Bewohner*innen der Stadt schafft jede Stadtpflanze eine kleine grüne, atmende Oase im hektischen grauen Treiben der Stadt. Die Stadtpflanzen sind ein Team von leidenschaftlichen Stadtgärtnern, die sich mit nachhaltigen Produkten zum Gärtnern, mit der Planung und Durchführung von essbaren Flächen und mit der Bildung von Erwachsenen und Kindern beschäftigen.
Gegründet 2017 von der Rosenheimer Unternehmerin Anja Frohwitter und dem Münchner Kapitän bei der Lufthansa Sven Seynsche, sind die Stadtpflanzen heute ein mehrköpfiges Team mit vielen Unterstützern.

Interview mit Anja Frohwitter, Geschäftsführerin von Stadtpflanzen

Was genau machen die „Stadtpflanzen“?
Wenn wir ehrlich sind, sind wir Lobbyisten – wir wollen, dass sich die städtische Gesellschaft und die Politik in unsere Richtung bewegt und umweltfreundlicher, naturverbundener und vor allem essbarer wird. Wir haben unser Unternehmen nicht gegründet um in kurzer Zeit möglichst viel Profit zu machen, sondern um eine grundsätzliche Frage in den den öffentlichen Raum zu stellen: Warum schaffen wir es als Gesellschaft nicht, unsere Umwelt auf die politische Agenda zu setzen?

Gerade bei den Grundnahrungsmitteln wie Gemüse und Obst ist Frische entscheidend, Verpackung sehr oft unnötig und manches würde sogar direkt vor unserer Haustüre wachsen, wir verschenken das Potential aber an aufwändig zu pflegende Rasenflächen oder Beton und belasten unsere Städte mit der Anlieferung für unsere logistische Nahrungskette, die in erster Linie von sehr weit außerhalb gespeist wird.

Anja von Stadtpflanzen

Wenn man sich eine Stadt von oben anschaut, sieht man viel betonierte Flächen und versiegelte Dächer. Ein Großteil dieser Flächen wird nicht gebraucht, weil sie brachliegen oder Flachdächer sind. Weltweit wurde in vielen Ländern bereits das Potential von kleinen und großen Gründern aufgegriffen und gemeinsam oder allein tüfteln sie an einer essbaren Zukunft.

Unsere Gründer-Stadtpflanze Sven hat an der TU Berlin die essbare Stadt erfahren in einem internationalem Studienkurs und berät heute Kommunen und Unternehmen bei einer nachhaltigen Unternehmensführung. Gründerin- Stadtpflanze Anja berät Kunden und Kommunen, wie sie ihre eigenen Flächen nachhaltiger und essbar gestalten können. Ebenfalls ist sie für die nachhaltigen Produkte zuständig, die ein plastikfreies Gärtnern erlaubt. Und baut auf ihrer eigenen Fläche allerhand Essbares an.

Was ist eure persönliche Motivation?
Sven ist Vegetarier und lebt in München, Anja ist Mutter von Zwillingen und lebt in Rosenheim. Beide fragen sich täglich, warum Gemüse und Kräuter immer in Plastik verpackt werden muss und es saisonale Gemüsesorten nicht auch regional im Supermarkt in Bioqualität gibt, ohne zum Hofladen zu fahren. Denn machen wir uns nichts vor – was im Supermarkt als „regional“ verkauft wird, ist zumeist überregional zusammengetragen und ein weiteres wieder in die Lieferkette eingespeistes Gut, meist auch in Plastik verpackt.
Warum also nicht vor der Haustüre? Auf jeder Fläche, die zur Verfügung steht. Es gibt weltweit dazu Forschung die eindeutig belegt, dass genau diese urbane Art der regionalen Versorgung einer Stadt mit saisonalem Gemüse dazu beitragen könnte, das Klima in Städten auf Hitze und Veränderungen besser vorzubereiten, denn je mehr Pflanzenmasse eine Stadt anbietet, desto kühler bleibt sie im Sommer.

Was stellt die größte Problematik bzw. Hemmschwelle für die Menschen beim Anbau von Gemüse in der Stadt dar?
Weil wir den Bezug zur Nahrung durch das breite Angebot im Supermarkt verloren haben. Wir wissen nicht mehr, wie Anbau und Ansaat funktioniert – es wird nicht mehr von Generation zu Generation weiter gegeben. Viele denken: „BOAH, das ist sicher voll schwer und dann muss ich ständig gießen und was hab ich dann davon“. Und da sagen wir – ihr habt die Freude erlebt, wenn ein Saatgut aufgeht, das man gepflanzt hat, wie es zu einem stattlichen Salat gewachsen ist, wie dieser Salat schmeckt und wie frisch die Blätter sind, wenn sie nicht schon viele Tage unterwegs sind (von den Inhaltsstoffen bei Kräutern ganz zu schweigen). Wie dieser Salat vielleicht in diesem heißen Sommer das Blühen angefangen hat und wie sich dann Schmetterlinge und Bienen plötzlich auf deinem Balkon niedergelassen haben – und im nächsten Jahr genau an dieser Stelle wieder Salat wächst. Weil er sich selbst ausgesät hat – mitten in der Stadt. Diese Erfahrung bekommt man quasi gratis, neben einer Menge Vitamine und Frische auf dem Teller. Und das schafft die Natur (fast) von allein!
Gerade Kinder lassen sich von dem Wunder der Natur sehr beeindrucken. Nehmen wir die Microgreens, die gerade der große Hype im Netz sind. Das Prinzip kennen viele von der Kresse – also dicht gesäte Samen, die dann als kleine Pflanzen geerntet werden. Dass diese kleinen Pflanzen manchmal mehr Vitamine und Nährstoffe im Vergleich zum Gewicht haben, als das ausgewachsene Gemüse, dass weiß keiner. Und das Beste: Es geht auf der Fensterbank! Weltweit gibt es mittlerweile viele Farmen mit Microgreenanbau unter Kunstlicht im U-Bahn-Tunnel und in Fabrikhallen, aber dass das jeder auch sehr leicht zu Hause machen kann muss erst vermittelt werden.

Warum ist das, was ihr tut, so besonders wichtig?
Weil wir als Menschheit unsere Ressourcen falsch einsetzen und weil wir klimatische Veränderungen dadurch abmildern können. Es wurde in allen Phasen der Zeitgeschichte Nahrung auch in der Stadt angebaut, wir haben den Bezug dazu nur verloren. Wir müssen, um neue Herausforderungen wie steigende Einwohnerzahlen und mehr Verkehrsdruck in den Städten zu bewerkstelligen, dringend Alternativen zum bestehenden System finden und umdenken. Dann schaffen wir es vielleicht auch den Fokus von anderen Unternehmen vom gewinnoptimierten zum zukunftsoptimierten Denken zu beeinflussen. Denn wir gewinnen dadurch enorme Lebensqualität und eine neue Generation Menschen, die dann andere und neue Wege geht um die Zukunft zu gestalten.

Inwieweit kann die Umwelt davon profitieren?
Wenn man sich mit Imkern unterhält sagen sie oft, dass in der Stadt die Artenvielfalt oft höher ist als auf dem Land und Bienen und andere Lebewesen (auch Pflanzen) sich ganz hervorragend angepasst haben ans Stadtleben. Denn auf dem Land werden großflächig Dünger und Pflanzenvernichtungsmittel eingesetzt. Monokulturen aus Mais und Raps beherrschen die Kulturlandschaft, und da ändern auch die vielbeschworenen „Blühstreifen“ am Rande des Feldes nichts, wenn dieser an einer vielbefahrenen Straße liegt und die Insekten eher auf der Windschutzscheibe landen, als auf einer Blume. Ich glaube, dass wir das Potential einfach noch nicht vollständig begriffen haben – aber sehen werden, dass die Natur schon viel weiter ist. Und das Gemüse, das nicht viel CO2 verbraucht hat, nicht in Plastik verpackt ist und nur regionales Wasser gebunden hat (und nicht Grundwasser aus Spanien) einfach besser schmeckt.

Wie viel Zeit nimmt eurer Erfahrung nach das Anpflanzen und Aufziehen von Gemüse in Anspruch? (Zum Beispiel pro Tag)
Das kommt auf die Fläche an – eine Fensterbank mit Gemüse-Microgreens in 10 verschieden Sorten gepflanzt (z.B. in recycelte Kokosnüsse, wie bei der Grow-Grow Nut) kostet als laufende Kosten ein, zwei Euro. Das Ganze nimmt ungefähr 20 cm an Platz in Anspruch uns es braucht 2 Minuten alle Behälter jeden Tag zu besprühen oder zu gießen. Dafür habe ich aber frisch Geerntetes auf dem Teller, das alle Vitamine und Inhaltsstoffe noch in sich trägt.
Ein Mensch braucht angeblich ca. 50 -60 qm Fläche, um sich mit einer saisonalen Ernte komplett selbst zu versorgen – dies würde sicher ein-bis zweimal die Woche eine stattliche Ernte einbringen, aber es würden vielleicht auch mehrere Stunden Kontrollgänge und Gießtage dazukommen – dafür kann man sich das Fitnessstudio sparen. Und es gibt unzählige Tipps bei der Flächengestaltung, die einem das Leben als Selbstversorger enorm vereinfacht.

Welche persönlichen Tipps und Tricks könnt ihr empfehlen?
Ausprobieren! Egal was! Ein Fail kostet ein wenig Erde und eine Handvoll Samen. Es ist eigentlich ganz einfach – Erde, Sonne, Wasser. Und alles bitte BIO oder DEMETER – auch das Saatgut. Denn nur dann ist es samenfest und pestizidfrei!

Wie schätzt ihr die Erfolgschancen von Anbaukonzepten für die Wohnung ein?
Sehr gut – vertikal für Wände z.B. gibt es schon einige Systeme, Aquaponik ist da ein Stichwort. Oder „Growschränke“ in denen das Gemüse und die Kräuter unter Kunstlicht wachsen.
Gerade bei den Microgreens, Salaten und Kräutern ist die Industrie schon sehr weit. Es gibt mittlerweile auch Küchen, die den Anbau von essbaren Pflanzen mit in ihr Design integrieren, dank moderner Technik alles auch kein großes Problem mehr. Es müssen sich nur Menschen finden, die mit Erfinderreichtum und mit genügend Enthusiasmus die Sache anpacken.


Natürlich darf bei den Stadtpflanzen die Grow-Grow Nut nicht fehlen. Sowohl im plastikfreien Bioladen nimm’s lose in Rosenheim als auch bei den tollen Märkten und Aktionen ist unser nachhaltiges Microgreen-Anzuchtset ein treuer Begleiter.

Wir freuen uns sehr über diese Kooperation und hoffen auf eine weiterhin gute und sehr lange Zusammenarbeit. Kommst du aus Rosenheim oder Umgebung? Dann schau doch mal bei den Stadtpflanzen vorbei – wir können es dir wärmstens empfehlen.

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